16.Der erste Blick sollte in den Spiegel gehen
Während meines letzten Bergretreats habe ich in einer Berghütte ein Schild entdeckt.
„Wenn ihr nach Fehlern sucht, benutzt einen Spiegel und kein Fernglas.“
Ich musste schmunzeln.
Nicht wegen des Spruchs.
Sondern weil ich sofort an ein Gespräch mit meinem Mann denken musste.
Vor vielen Jahren, als wir mit unserem Business begonnen haben, sagte er zu mir:
„Da muss doch irgendwo ein Haken sein.“
Ich habe ihn angeschaut und gesagt:
„Schau in den Spiegel.“
Er schaute mich an und fragte:
„Was soll ich dort sehen?“
Ich habe gelächelt und gesagt:
„Dich. Du bist gerade der Haken.“
Nicht, weil mit ihm etwas nicht stimmte.
Sondern weil er allem misstraute und hinter jeder Chance zuerst das Problem suchte.
Heute, über zwanzig Jahre später, begegnet mir genau das noch immer.
Vielleicht sogar häufiger als damals.
Auch bei meinen Bergretreats.
Die erste Frage ist oft:
Wo gehen wir hin?
Was machen wir?
Wer kommt mit?
Ich verstehe diese Fragen.
Und trotzdem wünsche ich mir manchmal, dass wir wieder etwas mehr vertrauen.
Nicht alles im Leben lässt sich vorher planen.
Nicht jeder Weg muss bis ins Detail bekannt sein.
Manche Erfahrungen entstehen erst, wenn wir bereit sind, loszugehen.
Die Berge haben mich gelehrt, dass Vertrauen oft dort beginnt, wo Kontrolle endet.
Und manchmal lohnt es sich, bevor wir mit dem Fernglas nach Fehlern bei anderen suchen, einen Blick in den Spiegel zu werfen.
Nicht, um uns zu verurteilen.
Sondern um uns ehrlich zu fragen:
Suche ich gerade wirklich nach einer Antwort – oder suche ich nur nach einem Haken?
