Die Berge schenken Begegnungen
Manchmal werde ich gefragt, warum ich so gerne alleine in die Berge gehe.
Meine Antwort überrascht viele.
Weil ich dort selten alleine bin.
Wenn ich in den Bergen unterwegs bin, darf ich immer wieder erleben, wie aus einem kurzen Moment eine Begegnung entsteht.
So war es auch in den Dolomiten.
Auf einer Hütte kam ich mit zwei Männern ins Gespräch.
Eigentlich nur, weil ich neugierig war und fragte, was sie dort trinken. Aus dieser kleinen Frage entwickelte sich ein herzliches Gespräch.
Ein Stück weiter begegnete ich Miriam.
Auch hier begann alles mit einem freundlichen Hallo.
Wenig später standen wir schon mitten im Gespräch und stellten fest, dass wir alle eine Verbindung zum Allgäu haben.
Wir lachten, machten ein gemeinsames Foto und gingen anschließend wieder jeder unseren Weg.
Und genau das liebe ich.
Später traf ich Menschen wieder, die ich schon kannte.
Andere durfte ich zum ersten Mal kennenlernen.
Jede Begegnung war anders.
Und jede hat etwas in mir hinterlassen.
Nicht, weil es außergewöhnliche Menschen waren.
Sondern weil wir uns offen begegnet sind.
Als ich meinem Mann später von all diesen Begegnungen erzählte, musste er schmunzeln und sagte:
„Wen du so alles kennenlernst – und vor allen Dingen wo.“
Ich musste lachen.
Denn genau so fühlt es sich an.
Ich glaube nicht, dass die Berge Begegnungen schenken, weil dort besondere Menschen unterwegs sind.
Ich glaube, sie entstehen, weil wir dort oft offener werden.
Die Gedanken werden ruhiger.
Der Blick wird weiter.
Manches, was uns im Alltag beschäftigt, verliert plötzlich an Bedeutung.
Manchmal finden wir Antworten auf Fragen, die wir schon lange mit uns herumtragen.
Manchmal wächst auch der Mut, eine Entscheidung zu treffen.
Wir fühlen uns freier.
Leichter.
Und genau das strahlen wir aus.
Vielleicht ist es genau diese Offenheit, die Begegnungen möglich macht.
Ein freundliches Wort.
Ein Lächeln.
Eine kleine Frage.
Mehr braucht es oft gar nicht.
Denn wenn wir offen durchs Leben gehen, entstehen Begegnungen.
Und manchmal begleiten sie uns weit über diesen einen Tag hinaus.
